Amicativ sterben?

 

So ein Quatsch!

Wirklich?

Naja. was weißt du denn übers Sterben?

Mit meinem heutigen Bewusstsein hab ich das noch nicht erlebt. So weiß ich darüber, ganz praktisch, nix! Aber ich hab darüber viel gelesen und über das dann nachgedacht. Und ich war in schamanischen Reisen an dem Tor zum Großen Licht; das hab ich erlebt und über das hab ich auch nachgedacht.

Von Frau Käsmann, weiland ev.-luth. Bischöfin, hörte ich den Satz „ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“. Das gefällt mir. Das ist ein Blick in den Kern von Amicativer Lebensweise – wenn ich davon dieses ‚Gott‘ wegnehme; was nach dem Oberbestimmer der Adultisten klingt, einer personifizierten Entität, die alles geschaffen habe.

In den Wochenendworkshops zu den Anfangszeiten von FMK haben wir uns manchmal das Neue Testament hergenommen und seine ‚Frohe-Botschaft‘ auf FMK buchstabiert, z.B. meditiert über die Zeile „ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ und reingeschmeckt in dieses ICH.

Eckhart Tolle, in „Sei still, wisse, Ich bin Gott“ spricht davon, dass das einzige Wissen unser jetziges Sein ist und das „Gott“ ein unbekannter Grund des Seins ist. Nicht zwingend der der Schaffung einer höheren Entität. Nur ein unbekannter Grund.

Und von Mansur al-Halladsch (858–922), ein Perser, der die Geheimnisse des Sufipfades in aller Öffentlichkeit aussprach, stammt einer der bekanntesten Aussprüche eines Sufis: „ana al-Haqq“. Dieser Ausspruch lautet übersetzt „Ich bin die Wahrheit“, wobei Haqq nicht nur Wahrheit bedeutet, sondern auch einer der Namen Gottes ist. Somit kann man auch übersetzen: „Ich bin Gott“. Dies und sein provokantes Auftreten waren einige der Gründe, warum al-Halladsch schließlich als erster Sufi-Märtyrer hingerichtet worden ist. Neben anderen Sufis hat wohl Rumi am besten zum Ausdruck gebracht, dass „ana al-Haqq“ die konsequenteste Auslegung von der Einheit Gottes ist.

„ana al-Haqq“ – so verstehe ich meine Grundlagen amicativer Lebensweise, die 6 Sätze über den persönlichen Rahmen, diese Glaubenssätze. Und der gegebene Anlass, eine „Krankheit zum Sterben“, lässt alles Ausgedachte darin deutlich werden und kann es wegätzen.

„Ich liebe mich so wie ich bin“, auch wenn ich im Kopf der Bauchspeicheldrüse Anarchie probe, auch wenn die Statistik mir nahelegen will, dass die Lebenserwartung dann ab Diagnose noch 2 – 5 Monate betrage. Das ist was für die ‚Realisten‘, die nur glauben, was sie zählen, messen und wiegen können, die sogar den Statistiken glauben, die sie nicht selbst gefällscht haben – und ich weiß, was Statistik kann, denn in meinem Psychologie-Studium, an der Westfälische Wilhelms-Universität Münster, musste ich das einige Semester lang bis zum TZ pauken – . „Ich liebe mich so wie ich bin“ ist konstruktive Weltsicht und existenzieller Lebenswillen und ist verkörpert in jeder einzelnen Zelle, auch jeder Tumorzelle, die ich ja auch bin. Und je tiefer das Bewusstwerden der eigenen Selbstliebe wieder erwacht, desto höher wird das Verständnis für die übrigen amicativen Grundsätze.

„Jeder Mensch ist von Anfang an ein vollwertiger Mensch“, und auch bis zum Schluss, wann und was immer das sei. Was wäre der Schluss? Wenn im Kopf keine elektrischen Ableitungen mehr möglich sind? Das widerlegt Dieter Nahm in „Ende der Dunkelheit“ auf überzeugende Weise mit der Sammlung von Protokollen terminaler Geistesklarheit und, wie mir ein Palliativ-Mediziner bestätigte, das erleben sie im Hospiz durchaus öfter. Wenn im Körper Atem und Herzschlag aufhören? Das widerlegt Burkhard Heim mit Berechnungen, die, angewendet auf alle bisher experiementell gefundenen Werte von Elementarteilchen, bis in die Nachkommastellen korrekt sind. Und warum sollte dann „Unsterblich in der sechsten Dimension“ dann nicht korrekt sein? Absence of evidence is not evidence of absence – sag ich den ‚Realisten‘. Und je tiefer das Bewusstwerden der eigenen Vollwertigkeit wieder erwacht, desto höher wird das Verständnis für die übrigen amicativen Grundsätze.

„Nur ich bin für mich verantwortlich!“, und das in doppelter Hinsicht: Nur ich und ich nur für mich bin verantwortlich; Kann es nur sein, aus existentiellen Gründen. Gerade, wenn ich noch nicht genau weiß, was mich in der Bauchspeicheldrüse zur Anarchie angeregt haben mag, ist das entscheidend. Wie könnte ich solche Verantwortung delegieren an einen Mediziner? Was könnte der tun außer das Anarchische abschneiden oder vergiften? Wäre das Selbstliebe? Wäre das Ausdruck meiner Vollwertigkeit? Und je tiefer das Bewusstwerden der eigenen Selbstverantwortung wieder erwacht, desto höher wird das Verständnis für die übrigen amicativen Grundsätze.

„Niemand muss etwas tun, dulden oder unterlassen“, auch nicht wegen einer Statistik, auch nicht wegen Gästen, die weinen und betteln und adultistische Vorschläge zu meinem Besten machen. Auch nicht wegen Menschen, die leider noch nicht erlebt haben, dass jede Sekunde im Jetzt das ganze Leben ist, dass es albern ist, die Einschränkung von Lebensqualität in Kauf zu nehmen, um wenigstens kalendarisch ein wenig länger zu leben. Und je tiefer das Bewusstwerden des eigenen Handeln-durch-Nichttun wieder erwacht, desto höher wird das Verständnis für die übrigen amicativen Grundsätze.

„Nichts und niemand steht über oder unter einem anderen“, wer könnte der Oberbestimmer sein? Dieser weiße Mann mit weißem Bart, den die Christen auf ihren Bildern darstellen, der jedenfalls nicht. Auch nicht die Flamme mit dem Schwert, was die Islamisten durch ihre Schrift-Bilder als Allah zeigen. Und schon gar nicht der Mainstream, der Chefärzte und Ernährungslehren anbetet.

Dann als der sechste Grundsatz „Jeder tut zu jederzeit sein Bestes für sich – unter Berücksichtigung der Informationen, die er hat, und der Regeln, die er zu deren Auswertung kennt. Und er verdient nicht, deswegen von irgendwem zurückgestoßen oder beschuldigt zu werden. Von niemand, auch nicht von sich selbst!“, der versteht sich nach dem Vorigen eigentlich von selbst. Wenn ich mich für das Sterbefasten entschieden habe, dann nicht, weil Sterbefasten die ultimative, die großartige Sache sein, sondern, weil ich dazu einiges an Information gesammelt habe, die in meinem Weltbild mit Regeln zu deren Auswertung zu solchem Entschluss führen. Jeder mag das anders sehen. Aber er/sie wird mich nicht hindern, es so auszuführen.

Dazu kann man dann wieder bei Varda Hasselmann blättern, die in „DIE SIEBEN ARCHETYPEN DER ANGST“ den Autonomen beschreibt. Darin erkenne ich mich wieder. Die Grundangst eines jeden Menschen ist Teil seiner seelischen Struktur und gleichzeitig ein kraftvoller Motor für inneres Wachstum. Anhand der genauen Beschreibung der sieben archetypischen Formen der Angst mit ihren Untertypen gewinnt der Leser ein Verständnis dafür, welche Wachstumsaufgaben ihm angesichts seines individuellen Angstmusters zufallen. So wird es möglich, die belastenden Gefühle in Kraft zu verwandeln.

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